Medienentwicklung Christoph Abels



 

Home


Atrium Noctis: Oh, danke Kutscher! Ich glaube, dass die Leidenschaft für die Musik über die Jahre nie nachgelassen hat, im Gegenteil sogar. Sie ist noch gewachsen. Und im Songwriting und Arranging tun wir genau das Gegenteil, was in unserer heutigen schnell-lebigen Zeit maßgeblich zu sein scheint: wir lassen uns ganz viel Zeit. Ideen werden nicht unbedingt schlechter, indem man sie von verschiedenen Seiten aus betrachtet und sie reifen lässt. Erst wenn wir alle begeistert von einzelnen Riffs sind, werden sie auch verwendet. Du kannst Dir vorstellen, dass es manchmal Jahre dauert, bis ein Song genau so ist, wie wir ihn haben wollen. Ich habe eine Eselsgeduld dabei.

DKK: Und dann möchte ich von Euch wissen, wie man in der heutigen Schnellebigkeit der Szene ein Line Up seit 2002 konstant hält?

AN: Ich glaube, es sind verschiedene Eigenschaften, die dazu führen können: zum Einen Leidenschaft und Hingabe an die Musik, dann aber auch Loyalität, Disziplin und schlichtweg harte Arbeit. Ich muss allerdings auch in der augenblicklichen Situation darauf verweisen, dass sich nach fast zehn Jahren Bandarbeit Prioritäten der einzelnen Mitglieder im Hinblick auf Beruf, Familie und somit auch auf Bandarbeit ändern können. Und so ist in nächster Zeit aus genau diesen Gründen ein Besetzungswechsel zu erwarten. Alles hat eben seine Zeit. Aber keine Sorge, Atrium Noctis wird zwar einen Besetzungswechsel erleben, aber auch gleichzeitig mit frischem Blut verjüngt zu neuen Herausforderungen bereit stehen.

DKK: Die sinfonischen Momente entstehen bei Euch alle im Synthesizer, oder gehe ich da falsch mit diese Annahme? Wäre es für zukünftige Produktionen interessant, ein entsprechendes Orchester zur Zusammenarbeit zu bewegen?

AN: Ja, der größte Teil kommt vom Synthesizer, das hast Du richtig erkannt. Wer träumt da als Sinfoniker nicht von einem richtigen Orchester?! Aber es wird wohl ein Traum bleiben müssen.

DKK: Zu Eurer Inspiration: Alltägliches oder ganz bestimmte Themen?

AN: Das Thema Tod ist zentral in unserer Arbeit. In sehr verschlüsselter Form werden darin aber auch persönliche Erlebnisse verarbeitet.

DKK: Erzählt mir ein bisschen zum Entstehungsprozess von Home!

AN: Wir haben dieses Mal ewig gebraucht: insgesamt 5 Jahre bis die fertige CD mit Mastering und Booklet vorlag. Nachdem wir die ersten beiden CDs innerhalb von jeweils einem Jahr produziert hatten wollten wir uns dieses Mal Zeit lassen. Einige Erschwernisse, wie die Krankheit unseres Gitarristen und der Wunsch, einige Linien auf der bereits fertigen Produktion komplett neu einzuspielen, waren schon ziemlich zeitaufwendig. Aber ich finde, es hat sich gelohnt.

DKK: Da der Release nun schon einige Zeit zurückliegt: Waren die Reaktionen, wie Ihr sie erwartet habt? Wen wollt Ihr erreichen oder ist die Musik nur ein Mittel zur Kanalisation Eurer eigenen Vorstellungen?

AN: Im Großen und Ganzen sind wir schon sehr zufrieden mit der Reaktion der Reviewer. Leider ist es uns aber noch nicht gelungen, ein breiteres Feld der Hörerschaft zu erreichen. Grundsätzlich möchten wir uns zunächst als Musiker bezeichnen, die ihre eignen inneren Vorstellung musikalisch und lyrisch möglichst kunstvoll umsetzen wollen. Erreichen wollen wir jeden, der sich von dieser Form der Musik angesprochen fühlt.

DKK: Gibt es schon neue Pläne für ein Folgewerk, habt Ihr gar schon mit Schreiben begonnen oder ist erst einmal Ruhe vor dem Sturm angesagt?

AN: Ja, wir haben uns natürlich nicht auf die faule Haut gelegt und das Songwriting ist in vollem Gang. Ziel ist es, die nächste CD 2012, zum 10-jährigen Bestehen von Atrium Noctis, zu veröffentlichen.

DKK: Die Metalszene: Gerne schreien ja Puristen „Ausverkauf“ wenn eine Black Metal Band Synthis oder Keyboards benutzt. Seht Ihr Euch denn direkt in der Black Metal Szene? Und was haltet Ihr von diesen Vorwürfen?

AN: Eine Szene, die lebendig bleiben will, darf sich nicht verschiedenen Einflüssen verschließen, sonst wird sie irgendwann zum Relikt. Wir haben uns nie darum gekümmert, ob man dies oder das im Blackmetal „darf“ oder nicht, wir haben die Musik so gespielt, wie wir sie verstehen. Aus diesem Grund bewahren wir nicht die Asche, sondern versuchen das Feuer weiterzutragen.

DKK: Nochmal die Szene. Ihr seid sicherlich schon etwas länger als erst mit dieser Band im Metal unterwegs, richtig? Dann möchte ich wissen, was sich genau seit Euren ersten Gehversuchen als Fan und dann später als Band verändert hat. Positiv oder negativ?

AN: Ja, natürlich haben wir uns alle in verschiedenen musikalischen Richtungen in diversen Bands erprobt um zu dem Schluss zu kommen, dass das, was wir wirklich musikalisch machen wollen, der Sound von Atrium Noctis ist. Es ist gut, dass es für keinen von uns die erste Band war, weil wir die Zusammenarbeit von Gleichgesinnten möglicherweise damals gar nicht zu schätzen gewusst hätten.

DKK: Dann meine Lieblingsfrage: Was macht Ihr außer Atrium Noctis? Andere Projekte oder sogar ganz „normale Hobbies“? Natürlich müsst Ihr nicht antworten, wenn es Euch zu persönlich wird.

AN: Wir versuchen, keine Nebenprojekte zu haben, weil die Arbeit mit Atrium Noctis schon sehr intensiv ist. An ganz normalen Hobbies haben wir alle eines gemeinsam: wir sind alle fürchterliche PC-Zocker, haha. Und so kann es auch schon mal passieren, das eine halbe Stunde der Probe für Erfahrungen mit dem neusten Game draufgehen.

DKK: Achtung, Kitsch-Frage, aber ich will's wissen: Ihr habt alle einen Wunsch frei. Was würdet Ihr wählen?

AN: WACKEN!!

 

DKK: Ich bedanke mich herzlich für die Zeit, die Ihr Euch genommen habt, wünsche Euch weiter viel Erfolg und überlasse Euch das letzte Wort an die Leser.

AN: Holt Euch die Scheibe! Ihr werdet sie lieben oder hassen, aber eins wird ganz bestimmt nicht passieren: Atrium Noctis wird Euch nicht kalt lassen.

 

 

{jpc}Legacy Interview{/jpc}

[Legacy]
Kommen wir doch gleich zu eurer  aktuellen Veröffentlichung "The Eyes Of Medusa". Was sollten die Leser eurer Meinung nach denn alles zur Entstehungsgeschichte des aktuellen Werkes wissen?

[Hydra] “The Eyes of Medusa“ ist unsere 2.CD. Zum Zeitpunkt der Aufnahme bestand die Band seit drei Jahren. Wo wir uns bei unserer 1.CD „Blackwards“ noch an unseren Stil herangetastet haben, sind wir mit der neuen Scheibe für uns eindeutig im sinfonischen Blackmetal angelangt. Auf der CD „The Eyes of Medusa“ werden Todessehnsüchte und –ängste in ihren vielfältigen Erscheinungsformen musikalisch und lyrisch dargestellt. Es geht um die Kämpfe mit dem Bösen und die Faszination, die es ausstrahlt. Als  Grundphilosophie der Band könnte man es bezeichnen, mystische und kontrastreiche Stimmungen, sowohl musikalisch als auch lyrisch zu schaffen.


[Legacy]Was würdest du als euren größten ideellen "Antriebsmotor" definieren, um diese Art von Musik zu kreieren?

[Hydra] Ich möchte es als das Bedürfnis bezeichnen, Geschichten des Bösen und vom Tod zu erzählen. Da das Böse vielfältige Gesichter hat, ist es  ein unermesslicher Pool an Ideen und Inspirationen . Besonders die Kämpfe und Visionen während des Überganges vom Leben zum Tod in eine musikalische und lyrische Gestalt zu fassen, üben für uns einen großen Reiz aus.

[Legacy] Wo habt ihr die neue Scheibe aufgenommen? Wie lange habt ihr für die Aufnahmen der Lieder gebraucht, und wie hat euch die Arbeit daran im Großen und Ganzen gefallen?

[Hydra] Wir haben die CD bei Oliver Weiskopf im Stonehenge-Studio in Bonn /Bad Godesberg aufgenommen. Das Einspielen der Songs ging eigentlich recht zügig und war nach einigen Tagen erledigt. Das Abmischen hat die meiste Zeit gekostet und dauerte insgesamt drei Monate. Natürlich ist das Einspielen anstrengend. Aber mit Oliver Weiskopf haben wir einen so einfühlsamen und kompetenten Produzenten gefunden, dass es faszinierend und beflügelnd zugleich war, die Songs bei ihm einzuspielen und zu mischen. Durch seine Arbeit ist noch eine weitere wichtige Facette zu den Songs hinzugekommen, die sie noch mehr zum Strahlen gebracht hat. Wir haben ihm wirklich viel zu verdanken.

[Legacy] Welche Art von Einflüssen und Inspirationen (Bands etc.) waren für das neue Werk von Relevanz?

[Hydra] Ich denke, dass sich die Einflüsse von Dimmu Borgir und Cradle of Filth  wohl kaum wegdiskutieren lassen werden. Aber genauso haben Gruppen wie Graveworm, Ad Inferna , Obsidian Gate , Satyricon, Hollenthon, Finntroll, Summoning, Empyrium und natürlich auch Mortiis ihre Spuren in unserem musikalischen Denken hinterlassen. Weiterhin bin ich selbst natürlich auch von Musikern der klassischen Musik wie Brahms, Beethoven und Chopin beeinflusst. Brahms ist für mich einer der ersten Blackmetaller an sich. Seine Werke sind häufig von einer solchen Schwermut, Kraft und Traurigkeit durchtränkt, dass sie mich schon als Kind in ihren Bann gezogen haben. Ich glaube, dass es Brahms zuzutrauen gewesen wäre, in einem Anflug von Heiterkeit vielleicht ein Stück mit dem Titel „Das Grab ist meine Freude“ zu schrieben. Ebenfalls wichtig für meine Entwicklung war damals das Album „Pictures at an Exhibition“ von Emerson, Lake and Palmer. Neben vielen anderen Musikgruppen und Bands wurde das Werk „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgsky meisterhaft in das Genre der Rockmusik transportiert. Später habe ich erst die Fassung von Mekong Delta gehört, die mich aber auch bis zum heutigen Tage nicht minder begeistert. Abschließend möchte ich aber an dieser Stelle noch die Musik von Hans Zimmer nennen, die eine unglaubliche Faszination auf mich ausübt.
Inspirationen für die Songs  an sich sind aber letztendlich immer Bilder, Geschichten, Gefühle und eigene Erlebnisse gewesen.


[Legacy] Worum genau drehen sich die neuen Liedertexte?

[Hydra] Die neuen Liedtexte haben wenig gemeinsam, sie unterscheiden sich sogar in der Sprache untereinander.

  • Zerberon ist ein schweres, nachdenkliches Lied bei dem es um eine  Kombination von mythologischen Motiven mit einer Darstellung der größten menschlichen Angst, der Angst vor dem Tod und der Frage, was danach kommt, geht.
  • Snow on thy Epitaph ist ein sehr emotionaler Text : Eine geliebte Person ist gestorben woraufhin der Protagonist mit seinem Leben nicht mehr klarkommt. In diese Trauer wurde dann bewusst ein kleines surreales Horrorszenario eingebaut, da durch die Zusammenführung der Liebenden im ewigen Schattentanz doch noch ein kleines Happy End zu Stande kommt.
  • Day of Rebirth trägt autobiographische Züge. Die Kernaussage lässt sich aber im Groben so zusammenfassen: Egal, wieviel du niedergetrampelt wirst, irgendwann kommt der Tag, an dem du aufsteigen wirst, wie Phoenix aus der Asche.
  • Last Gate ist nicht eindeutig. Nimmt man den Text wörtlich, ist es eine (aus verschiedenen Perspektiven erzählte) Kurzgeschichte über eine Gruppe von Reisenden, die von einem höhnischen Wesen mit übernatürlichen Kräften gestoppt wird. Geht man aber einen Schritt weiter, lässt sich hier auch eine Parallele zur Entwicklung der Menschheit sehen. Ein langer Weg, der bis hierhin beschritten wurde. Aber wo führt er hin? Sollte die Entwicklung so weitergehen, wird sich die Menschheit irgendwann selbst auslöschen oder möglicherweise auch durch Naturkatastrophen, Krankheiten etc ihr Ende finden.
  • Chains of Red Ice ist eine Hommage an das russische Lebensgefühl.  Im Text wird der Gegensatz zwischen dem Gefühl der Enge, der Unterdrückung und Einsperrung auf der einen Seite und der Warmherzigkeit, Heimat und Gemütlichkeit auf der anderen Seite dargestellt. Wir haben speziell dafür auch russische  Textzeile eingebaut.
  • Pandora's Kiss zeigt, wie schnell Bösartigkeit und Selbstüberschätzung in den Wahnsinn treiben kann. Hier ist noch stärker als in Zerberon der mythologische Zusammenhang gegeben; die mythologische Pandora ist hier vermischt mit der Vorstellung der Verkörperung von Grausamkeit und Wahnsinn.
  • Ancient Whispers stellt den Schluss des Albums dar und ist ein sehr ruhiger Song mit einem sanften Ausklang. Song rundet das Album ab, indem er an Zerberon anknüpft, den ewigen Kreislauf des Lebens darstellt (wenn auch wesentlich positiver), die kurze Lebensspanne derMenschen im Vergleich zur Natur betont.

[Legacy] Woher kam/kommt das Interesse an den lyrischen Themen eurer neuen Lieder?

[Hydra] Den Ausgangspunkt für einen Song stellt für uns immer erst einmal die Musik dar. Dort entsteht auch  der Song-Titel und häufig die Idee für eine mögliche Handlung   Chim hat es hervorragend verstanden, diese Geschichten mit seinen eigenen Ideen und Vorstellungen zu verknüpfen und ihnen eine wunderschöne lyrische Form zu verleihen. Auf diese Weise wurde dieses Werk vollständig abgerundet. Die eingehende Beschäftigung mit der Mythologie und mit Lyrik, aber auch mit psychologischen Themen ist dabei unerlässlich. Chim hat sich als Student der englischen Literaturwissenschaft schon seit ewigen Zeiten mit diesen Themen beschäftigt, sie erforscht und studiert. Da wir lyrische Themen und Songtexte in der Regel einfach spannender und interessanter, aber auch in diesem Zusammenhang angemessener finden, als stumpfe Textorgien von Gewalt und Blut,  ist ein Studium von verschiedenen literarischen Gattungen,  neben den oben genannten Themen besonders für Chim immer ein Selbstverständlichkeit gewesen. Außerdem sind die Möglichkeiten hierbei besonders vielfältig, besonders was die Mehrdeutigkeit anbetrifft.

[Legacy] Wie tiefgehend habt ihr euch mit den zugrunde liegenden Thematiken für die neuen Texte beschäftigt?

[Hydra] Wenn man Musik, Kunst und Lyrik als einen Spiegel der Seele bezeichnen möchte, dann können wir sagen, dass die Auseinandersetzung mit den Themen, die wir musikalisch und lyrisch beschreiben, nicht nur  eingehenden Recherchen und persönlichem Interesse in den verschiedenen Gebieten unterliegen, sondern eigentlich eine lebenslange persönliche Auseinandersetzung beinhalten.
Chim: “ Beschäftigt habe ich mich aber selbstverständlich mit jedem Thema ausführlich, sei es durch Lektüre über Mythologie, durch Lesen von Songtexten oder durch schlichtes Auseinandersetzen mit den Ideen, die ich im Kopf hatte.“


[Legacy] Nun zum Thema "Kunst" - welche künstlerischen Aspekte sind euch in eurer Musik im Jahre 2006 am wichtigsten?

[Hydra] Ich beschäftige mich wieder mehr mit meinem alten „Steckenpferd“, der zeitgenössischen klassischen Musik. Neben Arvo Pärt sind  die Vertreter der Minimal Music wie Steve Reich und Philip Glass für mich von Interesse. Eine Beschäftigung mit den russischen Klassikern wie Mussorgsky, Prokoffjev und Tschaikowsky wie auch die Auseinandersetzung mit folkloristischen Elementen anderer Kulturen und Epochen wird aber in  diesem Jahr den Schwerpunkt ausmachen. Im Bereich der Kunst suchen wir nach Inspirationen für unser nächstes Booklet. Da die Bilder der großen Maler und Fotografen schlichtweg unbezahlbar sind, warten wir noch auf eine Eingebung. Vielleicht bringt dies ja die nächste Ausstellung „Zum Sterben schön !“ im Kölner Museum Schnütgen mit sich.

[Legacy] Wie beziehungsweise in welche Richtung haben sich eure musikalischen Ziele beziehungsweise Interessen seit der damaligen Gründung der Gruppe entwickelt?

[Hydra] Wir sind in unserem Stil sicherer geworden. Die Frage, die wir uns anfangs häufig gestellt haben: „Darf man das im Blackmetal  überhaupt so machen ?“  tritt immer seltener auf. Wir beziehen uns heute mehr darauf, das zu spielen, was uns ein Bedürfnis ist, auszudrücken und was uns schlichtweg einfach gefällt. Wir haben ebenfalls die Faszination des Midtempos für uns entdeckt, weil in unseren Augen (und Ohren) das Böse selten durch die Reihen tobt, sondern schreitet. So bringen wir auch  mehr helle und strahlende Elemente in die Musik mit ein, weil wir finden, dass schwarz auf weiß am Besten aussieht. Momentan arbeiten wir  daran, die Gitarrenlinien noch härter und komplexer zu gestalten.
Aus diesem Grunde haben wir uns vor einem halben Jahr entschlossen,  Sturm als zweiten Gitarristen mit ins Team zu nehmen. An der ursprünglichen Besetzung hat sich  seit der Gründung sonst nichts geändert: Scathar an der Gitarre, Fugger an den Drums, Orpheus am Bass und meine Wenigkeit an den Keys. Als Sänger ist Benny hinzugekommen.


[Legacy] Seit nicht geringer Zeit gibt es ja auf dem Musikmarkt eine schier erdrückende Schwemme an Black Metal-Veröffentlichungen. Das meiste ist unterdurchschnittlich; welche der "Guten" sind deine Favoriten?

[Hydra] Oh, darauf könnte ich höchstens antworten, was mich in letzter Zeit sehr angesprochen hat: Das sind Fjoergyn, Bishop of Hexen und Morgart. 

[Legacy] Wie geht es bei euch weiter - wie hoch habt ihr eure Ziele gesteckt?

[Hydra] Das Wichtigste  ist für uns erstmal, dass wir so ernsthaft und harmonisch weiterhin zusammenarbeiten, wie bisher. Wenn alles so weiterläuft, werden wir wohl im nächsten Jahr wieder ins Studio gehen. Bis dahin haben wir hoffentlich einen Weg gefunden, unsere immensen Unkosten zumindest halbwegs zu reduzieren. Außerdem wird es auch Zeit, sich im nächsten Jahr mal bei den einschlägigen Labels mit unserer Musik vorzustellen. Wie die meisten Bands haben wir natürlich auch unsere kleineren und größeren Träume, die letztendlich auch unsere zukünftigen Schritte beeinflussen werden…

 


 

Amboss-Interview

Kannst uns die Band und ihren bisherigen Werdegang einmal kurz vorstellen?


Atrium Noctis wurde 2002 von mir in Köln gegründet.
Das Ganze war ursprünglich als ein Projekt anlässlich einer Auftragsarbeit für einen Kurzfilm geplant. Die Zusammenarbeit der einzelnen Musiker untereinander erwies sich jedoch schnell als so harmonisch, dass man beschloss, als feste Band zusammen zu bleiben.
Da wir in den ersten zwei Jahren einfach keinen festen Sänger fanden, der musikalisch und menschlich zu uns passte, mussten wir unsere 1. CD ohne Gesang im Studio einspielen. Wir waren uns jedoch sicher, dass sich der Richtige schon irgendwann bei uns einfinden würde. Durch diesen Umstand wollten wir uns aber nicht in unserer Arbeit  aufhalten lassen.


Es war die richtige Entscheidung, wie sich später herausstellte. Auf der CD „Blackwards“ haben wir uns auch noch an unseren Stil herangetastet.
Mittlerweile sind wir jedoch mit „The Eyes of Medusa“ eindeutig im sinfonischen Black Metal angelangt. Unser Anliegen ist es,  Todessehnsüchte und - Ängste in ihren vielfältigen Erscheinungsformen musikalisch und lyrisch darzustellen. Es geht dabei um die Kämpfe mit dem Bösen und die Faszination, die von ihm ausgestrahlt wird. Als unsere Grundphilosophie könnte man es bezeichnen, mystische und kontrastreiche Stimmungen, sowohl musikalisch als auch lyrisch, zu erschaffen. Ich möchte dies als das Bedürfnis bezeichnen, Geschichten des Bösen und vom Tod zu erzählen. Da das Böse vielfältige Gesichter hat, ist es ein unermesslicher Pool an Ideen und Inspirationen. Besonders die Kämpfe und Visionen während des Überganges vom Leben zum Tod in eine musikalische und lyrische Gestalt zu fassen, üben für uns einen großen Reiz aus.


Ihr seid ja 'ne Menge Leute, wie teilt ihr das Schreiben der Songs unter
euch auf?

Den Ausgangspunkt für einen Song stellen bei uns immer erst einmal die Musik und ihre Atmosphäre selbst dar. Die musikalischen Ideen entstehen dabei überwiegend erst einmal in meinem stillen Kämmerlein. So entsteht auch der Songtitel und häufig die Idee für eine mögliche Handlung Danach werden die Riffs mit der Band gemeinsam ausgearbeitet und arrangiert. Erst wenn der Song instrumental fertig ist, kommt der Sänger auf den Plan. Chim hat es dabei in den Songs immer hervorragend verstanden, die Musik mit den zugrunde liegenden  Geschichten mit seinen eigenen Ideen und Vorstellungen zu verknüpfen und ihnen eine wunderschöne lyrische Form zu verleihen. Auf diese Weise wurde die neue CD „The Eyes of Medusa“ vollständig abgerundet.

Und wer ist für die Texte verantwortlich und welches Textkonzept steckt
hinter "The Eyes of Medusa"?

 

Inspirationen für die aktuellen Songs von ATRIUM NOCTIS sind immer Bilder, Geschichten, Gefühle und eigene Erlebnisse.
Die eingehende Beschäftigung mit der Mythologie und mit Lyrik, aber auch mit psychologischen Themen ist dabei unerlässlich. Chim hat sich als Student der englischen Literaturwissenschaft schon seit ewigen Zeiten mit diesen Themen beschäftigt, sie erforscht und studiert. Da wir lyrische Themen und Songtexte in der Regel einfach spannender und interessanter, aber auch in diesem Zusammenhang angemessener finden, als stumpfe Textorgien von Gewalt und Blut, ist ein Studium von verschiedenen literarischen Gattungen, neben den oben genannten Themen besonders für Chim immer eine Selbstverständlichkeit gewesen. Außerdem sind die Möglichkeiten hierbei besonders vielfältig, besonders was die Mehrdeutigkeit anbetrifft. Wenn man Musik, Kunst und Lyrik als einen Spiegel der Seele bezeichnen möchte, dann können wir also sagen, dass die Auseinandersetzung mit den Themen, die wir musikalisch und lyrisch beschreiben, nicht nur eingehenden Recherchen und persönlichem Interesse in den verschiedenen Gebieten unterliegen, sondern eigentlich eine lebenslange persönliche Auseinandersetzung beinhalten.“

Chim: „Beschäftigt habe ich mich aber selbstverständlich mit jedem Thema ausführlich; sei es durch Lektüre über Mythologie, durch Lesen von Songtexten oder durch schlichtes Auseinandersetzen mit den Ideen, die ich im Kopf hatte.“

Die neuen Liedtexte auf „The Eyes Of Medusa“ haben wenig miteinander gemeinsam, sie unterscheiden sich sogar in der Sprache untereinander. „Der Song `Zerberon` ist ein schweres, nachdenkliches Lied, bei dem es um eine Kombination von mythologischen Motiven mit einer Darstellung der größten menschlichen Angst, der Angst vor dem Tod und der Frage, was danach kommt, geht. `Snow On Thy Epitaph` hingegen ist ein sehr emotionaler Text: Eine geliebte Person ist gestorben, woraufhin der Protagonist mit seinem Leben nicht mehr klarkommt. In diese Trauer wurde dann bewusst ein kleines surreales Horrorszenario eingebaut, da durch die Zusammenführung der Liebenden im ewigen Schattentanz doch noch ein kleines Happy End zu Stande kommt. `Day Of Rebirth` trägt autobiographische Züge. Die Kernaussage lässt sich aber im Groben so zusammenfassen: Egal, wie sehr du niedergetrampelt wirst, irgendwann kommt der Tag, an dem du aufsteigen wirst, wie Phoenix aus der Asche. `Last Gate` ist nicht eindeutig – nimmt man den Text wörtlich, ist es eine (aus verschiedenen Perspektiven erzählte) Kurzgeschichte über eine Gruppe von Reisenden, die von einem höhnischen Wesen mit übernatürlichen Kräften gestoppt wird. Geht man aber einen Schritt weiter, lässt sich hier auch eine Parallele zur Entwicklung der Menschheit sehen. Ein langer Weg, der bis hierhin beschritten wurde. Aber wo führt er hin? Sollte die Entwicklung so weitergehen, wird sich die Menschheit irgendwann selbst auslöschen oder möglicherweise auch durch Naturkatastrophen, Krankheiten etc. ihr Ende finden. `Chains Of Red Ice` ist eine Hommage an das russische Lebensgefühl. Im Text wird der Gegensatz zwischen dem Gefühl der Enge, der Unterdrückung und Einsperrung auf der einen Seite und der Warmherzigkeit, Heimat und Gemütlichkeit auf der anderen Seite dargestellt. Wir haben speziell dafür auch russische Textzeilen eingebaut. `Pandoras Kiss` zeigt, wie schnell Bösartigkeit und Selbstüberschätzung einen Menschen in den Wahnsinn treiben kann. Hier ist noch stärker als in `Zerberon` der mythologische Zusammenhang gegeben; die mythologische Pandora ist hier vermischt mit der Vorstellung der Verkörperung von Grausamkeit und Wahnsinn. `Ancient Whispers` stellt den Schluss des Albums dar und ist ein sehr ruhiger Song mit einem sanften Ausklang. Der Song rundet das Album ab, indem er an `Zerberon` anknüpft, den ewigen Kreislauf des Lebens darstellt (wenn auch wesentlich positiver), sowie die kurze Lebensspanne der Menschen im Vergleich zur Natur betont.“

Auf eurer Webseite steht, dass eure Musik für mehrere Kurzfilme auf verschiedenen Filmfestspielen angefragt und benutzt wurde. Für welche Art  von Filmen wurden die Songs gebraucht, Horrorstreifen?

Haha, nein. Auf diesen Filmfestspielen werden kreativ- experimentelle Filme, die häufig eine sozialkritische Note aufweisen, gezeigt. Die Bewerber sind zum großen Teil aus dem internationalen semiprofessionellen Bereich.

Von ATRIUM NOCTIS gibt's auch schon zwei DVDs, was eigentlich sehr ungewöhnlich ist für eine junge Band. Was ist auf den DVDs drauf?

Unsere 1. DVD ist ein Video zu unserem Song „Silencio“. Hier könnte man wohl noch am ehesten von Horrorfilm sprechen. Es ist eine Art Video-Clip im narrativen Stil, also mit Handlung. Die 2. DVD ist ein Live-Mitschnitt unseres Konzerts im Stahlwerk 2005.
Für beide DVDs hatten wir die Angebote von professionellen Film- und Kamera-Teams bekommen. Bei der Live-DVD mussten wir uns nur noch um eine Cutterin kümmern. Wir fanden es einfach interessant, mal mit einem Filmteam zusammenzuarbeiten. Es ist mal was Anderes. Und unglaublich viel Spaß hat es auch gemacht.

Was habt ihr euch für die kommende CD vorgenommen, die ja wohl nächstes Jahr erscheinen soll?

Natürlich noch einen drauf zu setzen! Ob uns das gelingen wird, wird jedoch im Ermessen unserer Hörer liegen.

Wie steht's um eure Liveaktivitäten?

Mittelprächtig. Es könnten mehr Gig-Angebote aus der Black Metallischen Ecke kommen. Ich muss allerdings auch zugeben, dass wir nicht jedes Angebot annehmen. Wir spielen ca. 6-8 Gigs im Jahr, wovon wir ca. drei Konzerte selbst veranstalten. Wir sind der Meinung, dass es eigentlich wenig Zweck hat, sich als sinfonische Black Metaller zwischen Hardcore-Deathern oder Grindcore- Musikern zu prostituieren. Auf diese Weise erhalten wir uns die Freude an unserer eigenen Musik.
Zu unseren selbst veranstalteten Konzerten laden wir ausschließlich melodische Metalbands ein, deren Musik wir selbst auch mögen. Dies ist wieder am 2.12.06 und am 20.1.07 im Q1 in Bergisch Gladbach mit Aardvarks, Sacrasphemy, Dark Wire und Nordafrost der Fall.

Welche Ziele habt ihr mit der Band in der Zukunft?

Das Wichtigste ist für uns erstmal, dass wir so ernsthaft und harmonisch weiterhin zusammenarbeiten wie bisher. Außerdem finden wir hoffentlich mal einen Weg, unsere immensen Unkosten in Verbindung mit der Band zumindest halbwegs zu reduzieren. Und zu guter Letzt wird es auch für uns Zeit, dass wir uns im nächsten Jahr mal bei den einschlägigen Plattenlabels mit unserer Musik vorstellen. Schauen wir mal, was dabei rauskommt.

 

 

 
<< Start < Prev 1 2 Next > End >>

Page 2 of 2

Discography